Rückschau zum Vortrag von Prof. Dr. Lorenz Peiffer: “Zwischen Erfolg und Verfolgung”

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Letzter Vortrag im Rahmen unserer Erinnerungsveranstaltungen

Am 15. Januar dieses Jahres weihten die Stadt Darmstadt, der Förderverein Liberale Synagoge Darmstadt e.V. (FLS) und unser Sportverein den Dr.-Karl-Heß-Platz ein, der an die Greueltaten des nationalsozialistischen Schreckensregimes im Dritten Reich und (stellvertretend für viele) an diejenigen erinnert, die aus Darmstädter Sportvereinen vertrieben oder gar ermordet wurden. Die Platzweihe wird umrahmt von einer Ausstellung, die der SV 98 zusammen mit dem FLS in den Räumen des Kooperationspartners Darmstädter Volksbank unter dem Titel „Kicker, Kämpfer und Legenden – Juden im Deutschen Fußball“ seit dem 18. Januar anbietet. Diese Ausstellung läuft noch bis zum 24. März und ist allen dringend ans Herz gelegt, die sie noch nicht besuchen konnten.

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Zum Rahmenprogramm gehört auch eine beachtenswerte Serie erinnerungskultureller Vorträge renommierter Sporthistoriker, die jeweils auch hinreichend viel Raum für Nachfragen und Diskussionen boten. Die letzte dieser Veranstaltungen fand am vergangenen Dienstag statt. Hier referierte der prominente Sporthistoriker Prof. Dr. Lorenz Peiffer von der Leibniz-Universität Hannover. Prof. Peiffer begann seinen Vortrag zum Thema „Zwischen Erfolg und Verfolgung – deutsch-jüdische Fußballstars und -vereine im Schatten des Hakenkreuzes“ mit dem Hinweis, dass erinnerungskulturelle Arbeit wenig Sinn ergibt, wenn man die Betroffenen in zahlenstatistischen Ausarbeitungen anonymisiert, sondern dass es wichtig ist, diesen (wieder) „ein Gesicht zu geben“. Insofern war es folgerichtig, dass sein Vortrag in nicht unerheblichen Teilen ein Bildervortrag war, in dem er Fotografien von jüdischen Fußballgrößen vergangener Tage wie Julius ‚Juller‘ Hirsch, Gottfried Fuchs, Max Salomon, Bernhard Grünfeld, Walter Vollweiler und Walter Bensemann zeigte und jeweils Spannendes zu deren Leben und Karriere berichtete. Neben den Personen ging er aber auch auf die Entwicklung der Turn- und Sportorganisationen vor und ab 1933 ein. Hierbei zeigte er in beeindruckender Weise auf, dass jüdische Sportlerinnen und Sportler bis Ende 1932 eher nicht in jüdischen Sportvereinen, sondern in nicht-jüdischen Spitzenvereinen ihrem Sport nachgehen wollten und die Zahl jüdischer Sportvereine ab der Machtübernahme der Nazis 1933 in mehreren Stufen bis 1938 stark zunahm. Ab dem Jahr der sog. Reichsprogromnacht ging diese Anzahl wieder stark zurück. Bis 1938 wurde „der Sportplatz zum zentralen Treffpunkt der jüdischen Gemeinde“.

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Des weiteren ging Prof. Peiffer auch sehr fundiert auf die Entwicklungen in Darmstadt ein und berichtete Wissenswertes über unseren früheren Präsidenten Dr. Karl Heß und über die Entwicklung jüdischen Sports in Darmstadt (nicht zuletzt durch die Gründung des jüdischen Vereins „Schild“). Auch zeigte er dezidiert auf, dass die Vereine (vor allem auch in Südwestdeutschland) im Zuge vorauseilenden Gehorsams der Arisierung und ihrer Gleichschaltung Vorschub leisteten. Spätestens 1938 jedoch mussten alle Vereine gleichgeschaltet sein.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass der Referent viele interessante Details zur Entwicklung jüdischen Fußballsports im Dritten Reich trotz aller mit dem Thema verbundenen Beklemmung kurzweilig und lehrreich vermittelte. Wir danken Professor Peiffer und unseren Kooperationspartnern von dem FLS und der Volksbank Darmstadt.

Jürgen Koch und Thomas Spengler

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