Gleich am Anfang den Teufel bezwingen

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Mit einem Zufallstor, das eigentlich gar keines werden sollte, hatte Hamit Altintop die Lilien davor bewahrt, auf einem direkten Abstiegsplatz zu überwintern. Die Darmstädter erkämpften sich in Fürth ein 1:1. In der Rückrunde müssen die Lilien nun auf Altintop verzichten, der aus persönlichen Gründen mit seiner Familie in die Türkei zurückkehren will. Und Glück allein wird wohl nicht genügen, um in der Zweiten Liga auch in der kommenden Saison mitmischen zu können. Im spanischen Wintertrainingslager in San Pedro del Pinatar gilt es, vor allem die anfällige Abwehr zu stabilisieren. Cheftrainer Dirk Schuster setzt dabei auf bewährte Kräfte: Der Franzose Romain Brégerie wird bis Saisonende vom Ligakonkurrenten FC Ingolstadt ausgeliehen. Brégerie ist am Böllenfalltor kein Unbekannter: Bereits unter Schuster absolvierte der 31-Jährige in der Saison 2014/15 33 Ligaspiele. Im Herbst wurde unter Ex-Cheftrainer Thorsten Frings der 26-jährige Joevin Jones verpflichtet. Der Nationalspieler aus Trinidad und Tobago stößt nun zur zweiten Saisonhälfte hinzu und ist vor allem für die linke Seite eine Option.

Was die Lilien aus der Vorbereitung mitgenommen haben, wird sich beim Heimspiel am Mittwoch, 24. Januar (18.30 Uhr) gegen den 1. FC Kaiserslautern zeigen. Die roten Teufel stehen als Tabellenletzter mit lediglich 12 Punkten auf dem Konto erheblich unter Druck – sie werden aber den Teufel tun, sich schon geschlagen zu geben. Drei bis vier weitere Spieler sollen den Kader in der Rückrunde verstärken. Wer das sein wird, wird sich schon bald ergeben.

Wenige Tage später müssen die Darmstädter nach Hamburg, um etwas Zählbares beim FC St. Pauli mitzunehmen. (Sonntag 28. Januar, 13.30 Uhr). Die Norddeutschen hatten sich nach einer durchwachsenen Saison zuletzt etwas stabilisiert und rangieren auf Platz 10 bei 24 Punkten. Die Elf von Cheftrainer Schuster kann sich auf ordentliche Unterstützung am Millerntor einstellen: Das Gastkartenkontinent ist längst ausverkauft.

Eine Woche später (Sonntag 4. Februar, 13.30 Uhr) bekommen die Lilien Besuch aus dem Ruhrgebiet vom Aufsteiger MSV Duisburg. Die Zebras sind direkter Tabellennachbar in der ewigen Zweitliga-Tabelle: Sie belegen Platz 13, Darmstadt 98 ist mit Platz 12 knapp da drüber. In der aktuellen Tabelle stehen die Duisburger jedoch deutlich besser da: Sie haben allein in den vergangenen sechs Spielen 13 Punkte geholt und arbeiten sich kontinuierlich nach oben. Der Lohn: Tabellenplatz 7 bei 26 Punkten. Was jedoch Mut machen dürfte: In der Hinrunde holten die Lilien den bisher einzigen Auswärtssieg und gewannen mit 1:2.

Ihr darauf folgendes Spiel bestreiten die Südhessen unter Flutlicht am Freitag, 9. Februar, 18.30 Uhr ebenfalls gegen einen Verein aus dem Ruhrgebiet: VfL Bochum. Bei den Blau-Weißen aus dem Pott läuft es ebenfalls nicht sonderlich rund, mit Tabellenplatz 12 und 23 Punkten sind Aufstiegsambitionen in weite Ferne gerückt. Sportvorstand und Aufsichtsrat stehen bei den Fans in der Kritik, mit einer Online-Petition unter dem Titel „Rettet den VfL“ wollen drei Gruppierungen eine außerordentliche Mitgliederversammlung erzwingen. Ziel: die Abberufung von Aufsichtsrat-Chef Hans-Peter Villis und Neuwahlen. In sportlicher Hinsicht sollten die Darmstädter den angeschlagenen Gegner keinesfalls unterschätzen, denn Daheim setzte es schon in der Hinrunde eine empfindliche 1:2-Niederlage.

Das Auswärtsspiel bei Arminia Bielefeld am Samstag, 17. Februar (13 Uhr) dürfte auf beiden Seiten für Emotionen sorgen: Nicht vergessen ist der sensationelle Auswärtssieg der Darmstädter und der damit verbundene Aufstieg in die 2. Liga am 19. Mai 2014. Das 4:2 nach Verlängerung bedeutete den Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse nach 21 Jahren Abstinenz. Das Hinspiel zuhause in der Hinrunde bleibt bisher ebenfalls in guter Erinnerung, denn die Lilien erkämpften sich einen knappen 4:3-Sieg. Auffälligster Spieler mit zwei Toren: Weltmeister Kevin Großkreutz. Zu dem Zeitpunkt unterstrichen die Darmstädter noch ihre Wiederaufstiegsambitionen Richtung Bundesliga.

Eigentlich schlugen sich die Darmstädter am 20. September 2017 in Heidenheim wacker: Sie erkämpften sich ein 2:2 in der Voith-Arena. Aber: Das Spiel war der Anfang einer Sieglosserie, die bis heute anhält. Bleibt zu hoffen, dass sich die Südhessen am Böllenfalltor gegen den FC Heidenheim am Sonntag, 25. Februar, 13.30 Uhr, besser schlagen. Trotz mäßiger Saisonleistung (Platz 15, 22 Punkte) halten die Süddeutschen von der Schwäbischen Alb ihrem Cheftrainer Frank Schmidt die Treue. Er ist seit 2007 in Heidenheim dabei und mittlerweile einer der dienstältesten Trainer in Liga 2.

Richtung Osten hält sich die Unterstützung der Fans normalerweise eher in Grenzen – dass das Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden auf Freitagabend (2. März, 18.30 Uhr) gelegt wurde, macht die Situation nicht motivierender. Platz genug wäre im Rudolf-Harbig-Stadion, das bis zu 32000 Zuschauer fasst. Der Block 1898 organisiert einen Sonderzug, in dem bis zu 900 Fans Platz finden. Eine Anmeldung ist bis Ende Januar möglich. Die Sachsen stehen spätestens in der kommenden Saison vor einem personellen Umbruch, allein acht Verträge laufen aus. Vielleicht wird sich auch Publikumsliebling Lumpi Lambertz verabschieden müssen. Der 33-Jährige hat die Dynamo mit seiner Erfahrung in die Zweite Liga geführt. Auch wenn er gerne noch etwas „weiterspielen“ möchte: Eine weitere Saison gilt als eher unwahrscheinlich.

Am 10. März gibt es am Bölle um 13 Uhr ein Wiedersehen mit dem FC Ingolstadt. Gegen die Bayern machten die Darmstädter sowohl in der Bundesliga als auch in der Hinrunde der Zweiten Liga keine gute Figur: Zuletzt gab es eine deutliche 0:3-Klatsche. Nach anfänglichen Problemen haben sich die Schanzer im oberen Tabellendrittel festgesetzt und machen deutlich, dass sie direkt wieder in die oberste Spielklasse zurückkehren wollen. Mit 28 Punkten und dem damit verbundenen Platz 4 haben die Ingolstädter eine aussichtsreiche Position.

Eine schwere Aufgabe wird wohl auch das folgende Spiel am Sonntag, 18. März: Die Lilien müssen ab 13.30 Uhr gegen den 1. FC Nürnberg ran. Die Begegnung beider Mannschaften war eine der spektakulärsten der Hinrunde insgesamt – mit dem besseren Ende für den Club. Die Franken rangen die Hessen mit 4:3 vor heimischem Publikum im Merck-Stadion nieder. Als Tabellendritter (33 Punkte) sind die Nürnberger in die Winterpause gegangen. Auch in der Rückrunde werden sie um die Aufstiegsplätze mitreden.

Die Deutsche Fußball Liga hat die Partien der Spieltage 28 bis 34 zeitlich noch nicht genau festgelegt. Fest steht aber: Am Osterwochenende werden die Lilien den derzeitigen Tabellenführer Fortuna Düsseldorf zu Gast haben. Die Truppe vom Cheftrainer Friedhelm Funkel hat eine hervorragende Hinrunde hingelegt, lediglich gegen Ende hatten die Rheinländer einen kleinen Durchhänger. Die Darmstädter schlugen sich in der Esprit-Arena zwar wacker, mussten sich dennoch aber mit 0:1 geschlagen geben.

Eine Woche später müssen die Südhessen zum Überraschungsaufsteiger Holstein Kiel. Die Norddeutschen haben die stärkste Offensive in der Zweiten Liga: Keine andere Mannschaft schoss mehr Tore (37). Mit 33 Punkten rangieren sie auf Tabellenplatz zwei. In der Hinrunde trennten sich Darmstadt und Kiel mit 1:1.

Für Eintracht Braunschweig ist die Hinrunde eine ziemliche Enttäuschung gewesen: Die Löwen überwintern mit lediglich drei Punkten Vorsprung von den Abstiegsplätzen auf Rang 14. Dabei haben sich die Niedersachsen als Remis-Könige erwiesen: Von 18 Spielen gingen 10 unentschieden aus. So auch das Aufeinandertreffen mit Darmstadt. Die Lilien hatten eigentlich den Auswärtssieg so gut wie in der Tasche, mussten dann in der Nachspielzeit den bitteren Ausgleichstreffer zum 2:2 hinnehmen. Die Braunschweiger wollen sich in der Abwehr nochmals stabilisieren und werden wahrscheinlich den österreichischen Nationalspieler Georg Teigl vom FC Augsburg ausleihen. Mitte April ist Braunschweig im Merck-Stadion zu Gast.

Zum Saisonabschluss treffen die Lilien noch auf Sandhausen (A), Union Berlin (H), Regensburg (A) und Erzgebirge Aue (H). Die letzten beiden Spiele sind schon fest terminiert, Anstoß ist jeweils Sonntag (6. und 13. Mai) um 15.30 Uhr. Spannung ist schön, aber: Besser wäre es, wenn die letzten beiden Spiele sportlich völlig bedeutungslos sind, weil die Lilien den Klassenerhalt schon längst in der Tasche haben.

Autor: Christian Chur