#FCHD98 | Alm-Öhis Zwilling und die zwei Seiten der Medaille

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Alm-Öhis Zwilling und die zwei Seiten der Medaille

Die wenigsten hier sind ganz neue LeserInnen, auch wenn ich natürlich auch Euch immer und jederzeit auf den Seiten der FuFa und speziell hier beim Stöbern in den Berichten ganz herzlich willkommen heiße. Somit wissen dann aber auch die meisten von Euch, dass „es kein Bericht vom Wuschel gibt, wo der aafach nur ema sachlisch üwwers Spiel schreibdd“.

Ja, Freunde und Freundinnen – so wie ein gerne über den Wolken zu findender Barde vor Jahren bereits festgestellt hat, das „irgendein Depp irgendwo immer“ bohrt, so gibt es auch bei jedem Spiel ein Erleben ohne in die Kategorie „Fan“ zu passen, die nur für das Erlebnis oder das „Event“ zum Spiel geht.

Was wiederum dazu führt, dass meine Berichte nie ohne Emotion auskommen. Manche mehr, weil ich mir den Spielbericht in der Redaktion bewusst aussuche, um hier eventuell Vergangenheit zu verarbeiten, und manche weniger. Und manchmal – und hier sind wir nicht nur wieder an dem Punkt, wo das Leben dem Fußball immer mal wieder zeigt, dass es wesentlich wichtiger sein kann und ihm dann auch völlig egal ist, wann es zuschlägt, sondern auch bei den verschiedenen Perspektiven, Seiten, Sichtweisen, Ebenen – kommt die Emotion durch eine Nachricht, ein Geschehen beim Spiel oder Drumrum…

Tja, und genau da kann es dann passieren, dass ein Bericht über ein Spiel, der eigentlich nichts Weltbewegendes ist, entgegen anderer Pläne plötzlich drei Tage dauert. Weil Du nicht weißt, wie Du beginnen oder das, was Dich bewegt, beschreiben sollst.

Sonntagmorgen, kurz nach vier, Du bist schon wach, weil Du noch keine Maske hast, schlecht schläfst, öfter wach bist und es irgendwann eben einfach nicht mehr geht. Eigentlich hast Du noch jede Menge Zeit, Treff für den Bus ist um 8 Uhr und der Wecker reicht – laut Deinem ureigenen und alleinigen Beschluss – um halb sieben. Du hättest also noch Zeit. Jede Menge!

Aber, es ist wie am Roulette-Tisch, wenn der Herr mit dem Anzug die magischen Worte spricht: Nichts geht mehr!

Also, raus und ins Wohnzimmer gewackelt, im Halbschlaf durch den Flur schlurfend wie die dicke, Lasagne liebende Katze zu ihren besten Zeiten, eine WhatsApp lesen – und plötzlich bist Du wach!

Hellwach!

Schlagartig!

Denn das, was du da gelesen hast, zeigt Dir, wie nah Fußball, Leben und der eben auch zu diesem gehörende Tod zusammen liegen.

Roger schreibt, Ewald ist tot. Es passierte in der Nacht und, ganz ehrlich, über das Wie, Warum und Wieso zu spekulieren, steht niemandem zu, ebenso habe ich lange – wirklich sehr lange –  überlegt, ob ich eine solche Meldung denn in einem Bericht zu einem Spiel schreiben kann, bzw. ob ich es darf. Ich bin weder Familie, noch würde ich mir anmaßen, Ewald „Freund“ zu nennen oder von „wirklich gut gekannt“ zu schreiben. Und doch beschäftigt mich das, hat mich diese Nachricht den ganzen Tag beschäftigt und dadurch vermutlich auch mit anderen Augen sehen und Sinnen erleben lassen.

Ich schrieb, ihn nicht wirklich gut gekannt zu haben, und doch schrieb ich noch an diesem Tag und später im Forum davon, wer Ewald Menzer war – wer er für mich war.

Der Mensch, der Ewald, den ich kannte, kennen lernen durfte, war mehr als nur „de Vadder vom Rodscher“, und auch wenn ihn viele, so auch ich, genau so in vielen und langen Jahren bei und in der Lilien-Familie kennen lernten und erlebten, war der „ewige Betreuer“ eben viel mehr als nur langjähriger Betreuer diverser Mannschaften mit der Lilie auf der Brust. Ewald hat diesen Verein gelebt und durch diese Art über viele Jahre eben auch mitgestaltet und geprägt. Diese Art, dieses Wahrnehmen einer – seiner – Form von Vereinsarbeit, schuf Respekt vor ihm und prägte dadurch auch einige von uns Jüngeren aus der großen und bunten Lilien-Familie – Mach´s gut und RUHE IN FRIEDEN, Ewald

Mit tausend Gedanken im Kopf ging es also nach Darmstadt und von dort mit dem Bus der „Mädels“ nach Heidenheim. An dieser Stelle ein großes Danke an Euch, das Ihr unsere Truppe, die doch auch ein Stück weit eine andere Art zu reisen und sich in Bussen zu verhalten lebt als Ihr – und nach vielen Jahren der Abstinenz auch mich – in einem Eurer Busse mitgenommen habt. Es war eine illustre Mischung von Menschen, die vermutlich so nicht allzu oft zusammenfinden wird, auch wenn sie dann gemeinsam im Gästeblock steht, und doch hatte zumindest ich zu keiner Zeit dieser insgesamt 13 Stunden das Gefühl, dass es ganz und gar nicht funktioniert.

Danke!!!

Singen im Bus, schreiben, Musik hören, quatschen, sich über Menschen, die mich immer wieder als „wesentlich dicker als mich“ bezeichnen und sich dann über Platzprobleme beschweren, weil „zwei Dicke wie der Alfred und ich“ ja nun „nicht wirklich in einen Sitz passen“, köstlich amüsieren und Gedanken nachhängen, schon sind viereinhalb Stunden um und Du stehst plötzlich vor dem heimischen Tor der Firmenarena. Also, umdrehen und zum Gästeblock. Das letzte Stück laufen, weil wegen Choreo, Autokorso und zwei schnelleren Bussen der Parkplatz schon voll…

In’s Stadion, Hallo sagen, in den Block gehen.

Wenn man bei Fußballvereinen – und speziell bei einem durch eine Fusion entstandenem wie dem unseren – von einer Geburt sprechen kann, so ist der SV Darmstadt 1898 mit Geburtstag am 22. Mai ein Zwilling. Und was für einer! Ich würde sagen, ein typischer.

Er hat – auch gerne mal innerhalb eines Spiels – zwei Seiten. Legt z.B. furios los und führt bereits nach elf Minuten, mal wieder durch das Tor eines etatmäßigen Abwehrspielers, mit 1:0. Und zeigt dann das bereits auf St. Pauli zu sehende „Auswärtsgesicht“, lässt sich ein Stück weit hintenrein drängen und den Glanz vom letzte Woche errungenen Heimsieg gegen Duisburg etwas vermissen. Das sind die Momente, wo Du vor gar nicht allzu langer Zeit noch wusstest, „wenn de vorrne die Choaase nidd machsdd, krieesde hinne drei“ – war ja auch nicht so, das Heidenheim keine Chancen gehabt hätte.

In der zweiten Halbzeit besser, aber auch hier zeigte vor allem ein Spieler diese beiden Seiten. Der zur Einwechslung Geholte stand schon bereit und plötzlich – gute Leistung, und Rechtfertigung für den Trainer, ihn doch auf dem Feld zu belassen. Ob es nach dem Spiel einen Einlauf gab, ist nicht überliefert – aber sei Dir sicher, es ist gut, dass ich nie Trainer wurde – und vor allem…

1:0, der erste Lilien-Sieg im Heim der Heiden – so fährt man doch ein Stück weit gerne nach Hause.

Wir sehen uns doch hoffentlich in zwei Wochen beim Heimspiel am Bölle gegen die Jungs aus dem Sandkasten vom Spielplatz im Hardtwald.

Autor: Wuschel

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