Trotz starker Leistung: Erste Auswärtsniederlage im Stuttgarter Verkehrschaos

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Im dichten Frühnebel der zurückliegenden Halloween-Nacht startete unsere Fahrt ins Land der Spätzle- und Maultaschenverehrer. In zwei PKWs machte sich der Buuwe-Tross auf den Weg, eines der Vehikel wurde von mir gefahren. Unterwegs verlief alles reibungslos, kein Stau behinderte unsere Fahrt gen Süden. Das änderte sich bei der Ankunft in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Stuttgart, so schien es, ist eine einzige Baustelle. Endlose Blechlawinen schlängelten sich durch die City. Auf LED-Anzeigen wurde uns der Weg zum heutigen Spiel zwischen dem VfB und Eintracht Frankfurt (fail!) gewiesen. Vollkommen überforderte Ordnungshüter versuchten den Verkehr zu leiten, doch schenkten wir ihnen aufgrund ihrer Ratlosigkeit wenig Beachtung. Die Fahrt endete auf einem riesigen Parkplatz unweit der Mercedes-Benz Arena, auf dem sich rotgekleidete Schwaben und blau-weiße Lilienanhänger friedlich tummelten und gemeinsam in Richtung Stadion zogen. Beim Blick über die unzähligen Autos auf dem Parkplatz und in Anbetracht der Verkehrssituation in Stuttgart schwante mir für die Heimfahrt nichts Gutes. Aber diese Gedanken wurden sogleich von der Vorfreude auf das Spiel verdrängt.

Der SVD wollte schließlich seine beeindruckende Auswärtsbilanz ausbauen, denn in der bisherigen Saison mussten die Lilien auf fremden Plätzen bis dato noch keine Niederlage hinnehmen. Im Gegenteil: acht von zwölf möglichen Punkten bedeuteten eine super Ausbeute für den südhessischen Underdog. Vom VfB hingegen, der im Tabellenkeller rumdümpelt, wusste man nicht so recht was man zu erwarten hatte. Auf der einen Seite spielen die Schwaben einen erfrischenden Offensive-Fußball, verwerten jedoch zu wenige ihrer herausgespielten Chancen. Andererseits unterlaufen ihnen häufig Defensiv-Schnitzer, die sie in schöner Regelmäßigkeit um die verdienten Punkte bringen.

Dirk Schuster nahm in seinem 100. Ligaspiel für Darmstadt zwei Veränderungen in der Startaufstellung gegenüber dem Pokalerfolg unter der Woche gegen Hannover vor. Für Florian Jungwirth und Tobias Kempe rückten die wiedergenesenen György Garics und „Kocka“ Rausch ins Team. Von Beginn an entwickelte sich ein intensives Spiel, in dem zunächst jedoch die großen Chancen Mangelware waren. Bei so manchem Vorstoß der Schwaben hatte der SVD Glück, nicht in Rückstand zu geraten, aber auch Darmstadt versteckte sich nicht und hatte mit einem gefährlichen Distanzschuss von Marcel Heller die größte Chance der Lilien in Halbzeit eins. Mit 0:0 ging es in die Kabine.

In der zweiten Halbzeit entwickelte sich die Partie immer mehr zu einem offenen Schlagabtausch, was beinahe wörtlich zu nehmen ist, denn Spiel wurde zusehends ruppiger und die aufgeladene Atmosphäre auf dem Feld übertrug sich auf die Ränge. In der 68. Minute hatte Stuttgart dann das Glück auf seiner Seite. Der VfB brachte in Person von Christian Gentner eine Flanke über Keeper Christian Mathenia hinweg quasi auf die Torlinie, wo György Garics beim Rettungsversuch den Ball unglücklich per Kopf ins eigene Gehäuse bugsierte. Was nun folgte, war ein Darmstädter Offensiv-Lauf, wie ich ihn lange nicht mehr erlebt habe. Die Lilien stemmten sich mit aller Macht gegen die erste Auswärtsniederlage, getragen von den vielen mitgereisten Darmstädtern. Nun offenbarten sich die bereits angesprochenen Abwehrschwächen der Stuttgarter, deren Defensivverbund in dieser Phase mächtig ins Schwimmen geriet. Doch Darmstadt konnte an diesem Nachmittag nicht die Effizienz erwirken, die es in den vorherigen Spielen ausgezeichnet hatte. Alleine Marcel Heller hatte den Ausgleich dreimal auf dem Fuß, scheiterte jedoch jedes Mal am bestens aufgelegten VfB-Torwart Przemyslaw Tyton. In der Nachspielzeit gelang Stuttgart gegen aufgerückte Darmstädter dann die Entscheidung und so mussten die Lilien die erste Auswärtsniederlage hinnehmen. Die Leistung des Teams, die an diesem Tag ihr Heil vor allem in der Offensive gesucht hatten, war dennoch sehr gut und so wurde die Mannschaft von den Fans zu Recht lautstark gefeiert und verabschiedet.

Gemächlich schlenderten wir aus dem Stadion, da wir ahnten, was auf dem Parkplatz und den umliegenden Straßen los sein würde. Unsere Befürchtungen bestätigten sich, es bewegte sich rein gar nichts, sodass wir uns zunächst nicht in die Reihe der wartenden Autos einreihten, sondern uns mit anderen Fans über das Gesehene austauschten. Als wir uns dann endlich auf den Weg machten, quälten wir uns noch über 90 Minuten durch den Stau in der Stadt, deren Verkehrsnetz bei derlei Veranstaltungen scheinbar vollkommen überfordert ist. Seit etwa 40 Jahren spielt die Autostadt Stuttgart nun durchgängig in Deutschlands höchster Klasse, da sind solche Katastrophalen Verkehrsbedingungen in meinen Augen nicht verständlich. Während des Staus konnten wir immerhin bei der Pokalauslosung mitfiebern. Irgendwie passte es zu dem Abend, dass wir dann den Super-Gau „Auswärtsspiel beim FC Bayern München“ zogen.

Aber auch dieser Herausforderung wird sich der Sportverein stellen und wir werden ihn nach Kräften dabei unterstützen. Nun gilt es, den Blick nach vorne zu richten. Am Samstag kommt der HSV ans Bölle, wahrscheinlich auch diese Saison wieder ein Wackelkandidat und damit ein direkter Konkurrent für unsere Lilien. Also hoffen wir auf drei Punkte gegen den Dino, bei dem dann nach der Saison endlich mal diese ominöse Uhr abgenommen werden kann.

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