Spielbericht vom Auswärtsspiel in Wolfsburg

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Die Gefühle sind gemischt nach diesem Wochenende, nicht nur wegen unserem Spiel in Wolfsburg, sondern auch wegen dem Festival „Fußball ist anders“.

Was das Spiel angeht haben wir auf der einen Seite in Wolfsburg definitiv einen Punkt gewonnen den wir vor dem Spiel unterschrieben hätten, aber auf der anderen Seite schmerzte der späte Ausgleich natürlich.

Was das Festival angeht bin ich mir über meine Gefühlslage noch nicht sicher. Auf der einen Seite viele tolle Ehrenamtler, welche viele Stunden in ein Festival gesteckt haben. Auf der anderen Seite wurden diese kaum mit Besucher belohnt. Woran liegt das? An der großen Schar an Auswärtsfahrern kann es nicht liegen, denn so wenig wie am Samstag hatten wir die ganze Saison nicht. Das muss man sich mal überlegen! An einem oft als unattraktiven Sonntagabend fahren mehr Heiner nach Ingolstadt als zur besten Fußballzeit nach Wolfsburg. Streckenunterschied läppische 60Km und bei der Preisverleihung des attraktivsten Bundesligisten werden beide nie auch nur einen Blumentopf gewinnen.

Attraktiv war jedoch das Festivalprogramm von dem die Besucher begeistert waren. Klasse Ausstellungen, wunderbare Autoren, Stadtführungen mit der reizenden Aurora DeMeehl, aber die Bude wurde uns lediglich bei den Stadionführungen eingerannt. Kein Wunder, werden diese normalerweise nicht angeboten. Hier hat sich jedoch die FuFa stark gemacht, damit man auch mal in die Katakomben unseres Wohnzimmers kann. Man konnte sehen wie eng es im Presseraum ist, die spartanisch ausgestattete Gästekabine und die Vogelnester unter der Haupttribüne.

Ob es diese in Wolfsburg gibt? Sicherlich nicht, denn dem ganzen Areal ist anzumerken, dass hier jede Menge Geld vorhanden ist. Während das alte VfL-Stadion noch steht und ab und an für Spiele zB der Damenmannschaft genutzt wird, gibt es neben der „Arena“ ein weiteres kleines Stadion. Während in Darmstadt man jeden Cent für einen Trainingsplatz mit Rasenheizung umdreht, wurde ein kleines Schmuckstück für die sonstigen Mannschaften des VfL gebaut. Da spielen dann halt mal die Damen, die Amateure und die A-Jugend in der UEFA Youth League.

Aber Geld ist nicht alles, denn alles an diesem Verein wirkt doch etwas lieblos. Kaum Stimmung und zum ausgerufenen Fahnentag wehten vielleicht ein Dutzend Fähnchen. Da lobe ich mir Darmstadt wo unzählige ehrenamtliche Helfer ihr Herzblut in den Verein stecken, sich überlegen was man verbessern kann, welche Richtung der Verein nehmen sollte und wie man die Fans auch abseits der 90 Minuten Fußball pro Woche zusammenbringen kann. Aber vielleicht ist letzteres gar nicht gewünscht? Vielleicht herrscht beim Großteil der Stadionbesucher kein Interesse an all den wunderbaren Geschichten, die sich rund um den Fußball ereignen? Dabei sind diese doch so interessant und ganz anders als der Fußball der uns in der Bundesliga geboten wird. Wer hat schon mal die Möglichkeit sich beim Blindenfußball zu probieren oder zu sehen wie zwei Blinden-Fußballmanschaften gegeneinander spielen? Oder wer hat schon Geschichten der Fußballmannschaft der JVA Weiterstadt gehört?

Vielleicht wollen die meisten Stadionbesucher einfach Bundesligafußball schauen, abschalten und sich keine Gedanken um den Verein machen, geschweige denn was links und rechts hiervon passiert. Kann man ihnen das verübeln? Auf der einen Seite gab es die Zuschauer schon immer. Nicht in der Anzahl, denn natürlich hat die WM2006 und die Stadienbauten in der Zeit dazu geführt, dass der Fußball noch mehr Zuschauer in die Stadien lockt. Ziel muss es aber sein, und ich persönlich sehe dies als Aufgabe einer aktiven Fanszene, ein Bewusstsein für den Verein und das links und rechts darum zu schaffen. Dies bedeutet bspw. das kritische Betrachten von Werks- oder reinen Sponsoringklubs, das kritische Hinterfragen von Kollektivstrafen gegen ganze Auswärtsfahrer und vieles mehr. Nur wer über den Tellerrand blickt, stärkt das eigene Bewusstsein und genau das war das Festival: Ein Blick über die 90 Minuten Fußball hinaus.

Aber ich schweife ab, Ihr merkt auch schon, dass dies kein Spielbericht ist, sondern ein Versuch meine Gefühle zu ordnen. Dafür war das Wochenende zu sehr ein Wechselbad der Gefühle.

So starte ich optimistisch in die Woche was den sportlichen Verlauf angeht, denn unsere Jungs sind der Wahnsinn. In fast allen Auswärtsspielen haben wir die Saison geführt, wir hätten deutlich mehr Punkte verdient, aber es ist wie es ist. Wir holen noch unsere Punkte für den Klassenerhalt.

Die gemischten Gefühle über das Festival habe ich mir nun von der Seele geschrieben. Natürlich hätte man sich gewünscht, wenn eine breitere Masse die viele Arbeit honoriert hätte. Aber hey! Auf der anderen Seite hatten wir untereinander eine Menge Spaß, die Vorträge und Ausstellungen waren toll, die Kronepartys machten Laune und von den Besuchern kam ausnahmslos positives Feedback und ein Bestärken in unser Tun. Darauf lässt sich aufbauen und das werden wir tun!

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