„Meister müssen aufsteigen“

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„Meister müssen aufsteigen“

Die Thematik wird erstmal vielen fern scheinen, was soll mich, Fan des SVD, der Aufstieg in die dritte Liga interessieren? Aber das Problem „Regionalliga“ in ihrer jetzigen Form hätte uns selber beinahe getroffen (sportlicher Abstieg 2013) und abgesehen davon – sollte man die Probleme und Ängste anderer nicht einfach ausblenden! Gerade dann nicht, wenn sie existentieller Natur sind! Und die vierte Liga nimmt dieses Ausmaß für immer mehr Vereine an: Just in dieser Saison melden Vereine wie Hessen Kassel, Alemannia Aachen und Eintracht Trier Insolvenz an. Ein großes Problem ist der Aufstieg in die dritte Liga.

Aus Sechs mach Drei – Willkommen am Nadelöhr des deutschen Fußballs.

Das Dilemma entsteht unter anderem durch die Struktur der Regionalligen. Mit insgesamt fünf Ligen, somit fünf Meistern und nur drei Absteigern aus der dritten Liga, herrscht hier bereits eine Diskrepanz. Neben den Regionalligen Nord, Nordost, West und Südwest spielt Bayern seinen eigenen Viertligameister aus. Da man in K.O.-Spielen aus fünf Mannschaften schlecht drei machen kann, darf der Vizemeister der Regionalliga Südwest ebenfalls mitmischen. Somit ist der Süden der Republik wesentlich stärker vertreten wie der Rest des Landes, und bei genauerem Hinsehen ist dies auch zunächst berechtigt, schließlich stellt der süddeutsche Fußballverband die Hälfte aller Mitglieder im DFB. Jedoch sind hier viele Amateurvereine dabei, die über diesen Status gar nicht hinauswollen oder infrastrukturell nicht können wie beispielsweise der FV Illertissen, der regelmäßig aufgrund seines Stadions keine Lizenzunterlagen für die dritte Liga einreicht und bereits als Tabellenführer der RL Bayern verzichtete (Februar 2013).
Wenn sich aber dann sechs Mannschaften gefunden haben, werden drei Paarungen gelost und in einem Hin- und Rückspiel der Aufsteiger ausgefochten. Die Ligen-Pyramide ist somit an dieser Stelle zu Ende. Willkommen am Nadelöhr des deutschen Fußballs.

DFB hält an Struktur der Regionalligen fest

Sowohl Reinhard Grindel (DFB-Präsident)  als auch Rainer Koch (DFB Vizepräsident) halten an der derzeitigen Struktur fest. Dass Vereine wie beispielsweise Alemania Aachen oder Hessen Kassel Insolvenz anmelden müssen, sei nicht das Problem der Ligen-Struktur, sondern das der Vereine. Der Vorwurf: Manche fühlen sich als Profiverein und wollen mit der Regionalliga nichts zu tun haben. Sicherlich nicht falsch, aber kann man es den Klubs verdenken? Die Vereine wollen mit aller Macht aus der vierten  Liga raus, dies führte sicherlich bei dem ein oder anderen zum finanziellen Kollaps. Man übersieht hier jedoch den Erwartungsdruck vieler Fans an ihre Vereine. Wenn in Aachen 6.500 Zuschauer an den neuen Tivoli pilgern oder 5.000 zum OFC, träumen sie natürlich von Gegnern wie Hansa Rostock, Arminia Bielefeld oder dem Karlsruher SC und nicht von der TSG Sprockhövel oder der zweiten Mannschaft der TSG Hoffenheim. Die Zweitvertretungen sind hierbei ohnehin ein weiteres Haar in der Suppe. Mit ihren finanziellen Mitteln und dem Anspruchsdenken einiger Klubs, dass ihre Zweitvertretungen ebenfalls Drittligafußball spielen müssten, trägt dies weiter zum Wettrüsten der ambitionierten Vereine bei. Aber Koch sagt, dass man die Regionalligen nicht auf die Bedürfnisse vermeintlicher Profivereine zurecht schneidern kann, schließlich gibt es auch die Amateurklubs – für sie ist nun mal die Regionalliga das höchste der Gefühle, eine Art Champions League (1). Wie aber soll ein Klub seriös wirtschaften und sich wettbewerbsfähig für die dritte Liga aufstellen, wenn er nicht planen kann? Zwei Spiele Ende Mai entscheiden das Für und Wider, dabei steht so mancher Klub einige Woche im Voraus als Meister fest. Zeit, die man sinnvoll nutzen könnte, um den großen Sprung in den Profifußball abzufedern.

Alternative Pläne des DFB

Nicht nur die Fans machen durch Petitionen und Spruchbänder auf diesen Missstand aufmerksam, auch die Vereine üben offen Kritik. So schrieben die Sportfreunde Lotte letztes Jahr einen offenen Brief an die Verbandsfunktionäre und verdeutlichten, dass der Meistertitel für sie wertlos ist, solange sie dadurch nicht aufsteigen können (Anm. d. Red.: SF Lotte wurde Meister der Regionalliga Nord 15/16). Der immer wiederkehrende Vorwurf: „Zwei Spiele entscheiden eine ganze Saison“ hat man jedoch in der DFB-Zentrale falsch interpretiert. So schlug Reinhard Grindel kürzlich vor: Dann machen wir aus zwei eben fünf Spiele (2). Mehr Spiele der jeweiligen Meister gegeneinander bedeuten aber vor allem eins – bessere Vermarktungschancen. Die Situation der Vereine wird nur bedingt verbessert – ein schlechter Tag mag noch nicht ins Gewicht fallen, aber die Last steigt. Durch den Regionalpokal (Chance zur Teilnahme am DFB-Pokal) und der Liga kann ein Verein bereits 40 Spiele auf dem Buckel haben, bevor die entscheidenden Aufstiegsspiele anstehen. Jedoch gäbe es für eine Reduzierung der Ligen keine Mehrheit, so der DFB.

Weitere Alternativen

Wenn der DFB und die regionalen Verbände nicht zur dreigleisigen Regionalliga zurückkehren wollen, kann man das ein stückweit nachvollziehen. Die großen Entfernungen sorgen bei so manchem Klub für große Schwierigkeiten, infrastrukturell wie auch finanziell. An einer viergleisigen Liga scheiden sich ebenfalls die Meinungen der Verbände. Der mitgliederstarke Süden hat ein gehöriges Wort mitzureden, aber ob der bayrische Fußballverband nun wirklich seine eigene Liga benötigt? So ist nun mal einer der Streitpunkte die Aufteilung der Ligen. Ja, die Entfernungen im Norden und Nordosten werden weit, aber das sind sie teilweise schon jetzt (der FC Schönberg fährt  rund 640 km zum VfB Auerbach sowie rund 590 km zu Budissa Bautzen). Letztlich geht es hierbei um zusätzliche finanzielle Aufwendungen, welche die Klubs durch eine Ligen-Reduzierung aufbringen müssten. Ein Problem, das sich durch eine angepasste Umverteilung der vielen Bundesligagelder bewerkstelligen ließe. Hier reden wir schließlich von TV-Geldern in Milliardenhöhe – pro Saison! Auch eine zweigleisige dritte Liga hätte das Geld aus dem Oberhaus nötig, ohne dieses müsste man das eigene Ligabudget auf doppelt so viele Vereine verteilen bei abnehmender Attraktivität. Das Ziel vieler Fans– vier Regionalligen, vier Meister und somit vier Aufsteiger. Ja, damit verschwinden spannende, attraktive und somit gewinnbringende Aufstiegsspiele, aber das Nadelöhr zum Profifußball muss verschwinden – Meister müssen aufsteigen.

So schaue ich gebannt auf die Aufstiegsspiele Waldhof Mannheim – SV Meppen, SpVgg Unterhaching – SV Elversberg und Viktoria Köln – Carl Zeiss Jena und hoffe am Ende, dass die Verlierer nicht in der Versenkung verschwinden, bei vielen dieser Klubs würde mir selbst als Darmstädter das Herz bluten.

Autor: David Saar

Auflistung der Auf- und Absteiger seit Einführung der Aufstiegsspiele 2012/2013

Alle Spiele seit 2012/2013 in der Übersicht (Aufsteiger sind fett gedruckt):

2012/2013

Sportfreunde Lotte – Leipzig
TSV 1860 München II – SV Elversberg
KSV Hessen Kassel – Holstein Kiel

2013/2014

FSV Mainz 05 II – TSG Neustrelitz
VfL Wolfsburg II – SG Sonnenhof Großaspach
Bayern München II – Fortuna Köln

2014/2015

Würzburger Kickers – 1. FC Saarbrücken
Borussia Mönchengladbach II – Werder Bremen II
Kickers Offenbach – 1. FC Magdeburg

2015/2016

VfL Wolfsburg II – Jahn Regensburg
Sportfreunde Lotte – SV Waldhof Mannheim
SV Elversberg – FSV Zwickau

2016/2017

Waldhof Mannheim – SV Meppen
SV Elversberg – SpVgg Unterhaching
Viktoria Köln – Carl Zeiss Jena

Absteiger seit 2012/2013 (Rückkehrer in die 3. Liga fett gedruckt)

2012/2013

SV Babelsberg
Alemannia Aachen
Kickers Offenbach

2013/2014

SV Elversberg
Wacker Burghausen
1. FC Saarbrücken

2014/2015

Borussia Dortmund II
SpVgg Unterhaching
Jahn Regensburg

2015/2016

Stuttgarter Kickers
Energie Cottbus
VfB Stuttgart II

2016/2017

SC Paderborn
FSV Mainz II
FSV Frankfurt

Von 12 Absteigern seit 2013 schaffte nur Jahn Regensburg die Rückkehr in die dritte Liga. Mit der Partie Unterhaching und Elversberg stehen sich nun zwei ehemalige Absteiger gegenüber, einer von beiden wird die Rückkehr in Liga 3 feiern dürfen.
Dies verdeutlicht, wie schwer sich ein Wiederaufstieg darstellt.

Quelle:

(1): http://www.rp-online.de/sport/fussball/amateure/dfb-vizepraesident-rainer-koch-ueber-probleme-in-der-regionalliga-aid-1.6723647

(2): http://www.liga3-online.de/aufstiegsspiele-zur-3-liga-grindel-weiterhin-gegen-reform/

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