Kellerduell zum Abschluss der „Werksclub-Woche“

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Am Sonntag starten die Lilien den nächsten Versuch auswärts zu punkten. Diesmal geht‘s zum Mitaufsteiger nach Ingolstadt, und der Vorbericht von Lea Seling wirft einen kurzen Blick auf die Parallelen und Unterschiede in der jüngeren Geschichte beider Mannschaften.

Parallelen

Betrachtet man die letzten zwei, drei Jahre, so scheint es, dass unsere Lilien und die „Schanzer“ vom FC Ingolstadt quasi im Gleichschritt unterwegs waren. 2015 stiegen beide Mannschaften gleichzeitig in die Bundesliga auf und beiden gelang in der Folgesaison mehr oder weniger überraschend und souverän der Klassenerhalt. Nach dem Weggang der Erfolgstrainer Schuster und Hasenhüttl lief es dieses Jahr wiederum für beide schlechter. Erfolge blieben aus und die Nachfolger Meier und Kauczinski waren schnell wieder entlassen. Das große Wunder blieb bis jetzt auch danach bei beiden Teams aus, vor dem kommenden 28. Spieltag belegen sie in der Tabelle die letzten Plätze.

Zurück im Abstiegskampf

Dabei schien auch Ingolstadt als Vorletzter nicht mehr so ganz „mittendrin“ im spannenden Abstiegskampf zu sein, in dem die Hälfte der Liga steckt. Im Gegensatz zu den Darmstädtern gelang es dem FCI in der vergangenen englischen Woche allerdings mit zwei Siegen gegen die direkt vor ihnen platzierten Konkurrenten Mainz und Augsburg, wieder etwas Hoffnung zu wecken und sich dem Relegationsplatz ein beträchtliches Stück anzunähern. Der Rückstand auf den 16. beträgt mittlerweile nur noch vier Punkte. Die Ingolstädter dürften also mit Selbstvertrauen ins Spiel gehen – mit einem dritten Sieg könnte es für die Ingolstädter eine perfekte Woche werden.

Woche der Werksclubs

Nebenbei betrachtet scheint es für die Lilien auch die Woche der „Werksclubs“ zu sein, Ingolstadt reiht sich hinter Leipzig und Leverkusen ein in die Reihe von Vereinen mit „besonderer Beziehung“ zu einem Unternehmen (dies natürlich jeweils in unterschiedlicher Form, Ausprägung und Stärke sowie mit unterschiedlichem Hintergrund – was eine eigene Problematik darstellt, die differenzierter zu betrachten ist, und hier auch nicht näher beleuchtet werden soll). Und da, beim Blick auf Entstehungsbedingungen bzw. Geschichte, werden dann doch deutliche Unterschiede erkennbar, und es kann weniger von Parallelen oder Gleichschritt gesprochen werden.

Entstanden aus einer Fusion

So entstand der FC Ingolstadt erst im Jahr 2004 durch die Fusion von zwei Ingolstädter Fußballvereinen, dem MTV und dem ESV Ingolstadt, die sich mit finanziellen Schwierigkeiten an den Unternehmer Peter Jackwerth wandten, der dann die Gründung eines neuen Vereins und die Fusion der beiden Mannschaften in diesem initiierte und den FC Ingolstadt aufbaute. 2008 gelang der Aufstieg in die zweite Liga, in der der FC von 2010 bis zum Aufstieg vor zwei Jahren dann konstant vertreten war. Vor zwei Jahren wurde Ingolstadt dann der 54. Verein der Bundesligageschichte.

Die „besondere Beziehung“

Oft werden die „Schanzer“ als „Werksclub“ bezeichnet. Bei dem Unternehmen, zu dem in diesem Fall die „besondere Beziehung“ besteht, handelt es sich um Audi. Seit 2013 hält die quattro GmbH, eine Tochterfirma, knapp 20% der Anteile an der ausgegliederten Lizenzspielerabteilung, und auch Stadion und Trainingsgelände gehören de facto dem Autokonzern. Kritiker sprechen oft von einer „Symbiose“ zwischen Konzern und Verein. Beim FC man wehrt sich natürlich gegen den Vergleich mit anderen Werksclubs: So liege doch „nur“ ein Fünftel und nicht die Mehrheit der Anteile bei einem Unternehmen und Entscheidungen vom Verein seien davon nicht beeinflusst. Dabei ist dort im Vorstand auch die Mehrheit der Mitglieder mehr oder weniger direkt Audi zuzuordnen bzw. mit Audi verbunden. Nicht zuletzt kommt auch aus der eigenen Fanszene der Ingolstädter Kritik an diesem Konzept, und es werden Bedenken geäußert, dass Unternehmen einen zu großen Einfluss auf den Verein nehmen können.

Im Gleichschritt?

Wie zuvor schon genannt, sind Abgrenzung und genaue Unterscheidung der verschiedenen Werksclubs schwierig und stellen an sich schon ein eigenes umfassendes Thema dar. Wieviel Kommerzialisierung und Sponsoring ist akzeptabel und gewollt? Was ist einfach nur ein „normaler“ Hauptsponsor, und wo zieht man da Grenzen, usw.? Sicher ist wohl, dass ein omnipräsenter Sponsor, der so eng mit dem Verein durch Geld und Personen verbunden ist, immer auch zu einer großen Abhängigkeit des Vereins von diesem Unternehmen führt. Und so wird doch schon bei dieser kurzen Betrachtung der Vereinsgeschichte deutlich, dass der SV Darmstadt 98 und der FC Ingolstadt wohl höchstens mal in den letzten zwei Jahren, was die Ligazugehörigkeit angeht, im Gleichschritt unterwegs waren.

Autorin: Lea Seling

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