Eine Abwehr aus Granit, so wie einst Real Madrid…

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Is‘ des schee zurzeit in Darmstadt! Zwar ist der Himmel grau verhangen an diesem Samstagmorgen, aber die Stimmung, in der ich diesen Bericht schreibe, könnte nach dem gestrigen Spiel nicht besser sein. Ein 5:0 Spektakel gegen die Eisernen aus Köpenick – gleichbedeutend der höchste Saisonsieg! Euphorisierte Gesichter wo man nur hinschaut. Das kleine gallische Dorf mischt weiter munter die Liga auf. Besser kann man einfach nicht ins Wochenende starten. Es war natürlich ein dankbares Spiel für jeden Berichterstatter. Man schreibt lieber über einen Kantersieg als über ein träges 0:0.

Apropos schreiben… Da dies mein erster Spielbericht für die FUFA ist, möchte ich mich mal kurz vorstellen: Ich heiße Fabi und im Stadion findet man mich auf der Gegengeraden, genauer gesagt in den Reihen der BUUWE Darmstadt. Ja richtig, die BUUWE, die noch vor wenigen Wochen einen glor- und torreichen Sieg beim Andreas-Gompf-Turnier in der Böllenfalltorhalle davon getragen haben. Leider konnte ich selbst nicht aktiv beim Turniersieg mithelfen, da ich mir bei unserem „Abschlusstraining“ die Bänder gedehnt hatte. Aber man freut sich halt trotzdem mit den Jungs!

Bei jedem Heimspiel mache ich mich vom Südbahnhof zu Fuß zu unserer altehrwürdigen Spielstätte auf den Weg. Als ich so zum Stadion lief, machte ich mir Gedanken über unsere Aufstellung am heutigen Abend. Seit dem Rückspiel gegen die Schanzer vergangenen Dezember hatte Dominik Stroh-Engel die Hypothek von vier gelben Karten mit sich rumgeschleppt. In den letzten Partien lief es zudem nicht mehr so rund für unseren Torjäger wie noch zu Saisonbeginn. Letzte Woche war es dann soweit, am Bornheimer Hang holte sich DSE die fünfte Gelbe und damit die Sperre, ebenso der so immens wichtige Gerome Gondorf, der unsere Lilien in Aue zum Sieg geschossen und in Frankfurt vor der Niederlage bewahrt hatte. Und so rückten Ronny König und Hanno Behrens ins Team, zudem Milan Ivana für den verletzten Jan Rosenthal. Der SVD hat halt mittlerweile auch eine richtig starke Bank und Dirk Schuster die Qual der Wahl.

Am „Bölle“ angekommen, wurde an der Lilienschänke erst mal der Durst gelöscht. Im Stadion dann, in dem die unzähligen Matschpfützen aus dem Braunschweig-Spiel vor zwei Wochen zum Glück wieder getrocknet waren, erfolgten die ritualisierten Abläufe: Zaunfahne aufhängen, Bierchen holen und dann ab auf die Gegengerade, wo wir uns immer zwischen der vierten und fünften Sparkassenfahne positionieren.

Auf unseren heutigen Gegner habe ich mich richtig gefreut. Die Eisernen müssen einem einfach sympathisch sein. Wo heutzutage die Kommerzialisierung des von uns so heiß geliebten Sports doch überhand gewinnt und Retorte- und Plastikclubs aus dem Boden schießen wie die Krokusse zu dieser Jahreszeit, ist das Aufeinandertreffen mit einem solchen Kultverein eine willkommene Abwechslung (mehr rege ich mich jetzt nicht über dieses Thema auf, mache ich mich eh viel zu oft…). Und so war der Gästeblock gut gefüllt. 1500 – 2000 Berliner hatten sich auf die knapp 600 km lange Reise gemacht.

Aber rein ins Spielgeschehen. Darmstadt agierte vom Start weg engagiert und zielstrebig nach vorne. Wenn von den Medien den Darmstädtern oft vorgeworfen wird, dass sie Probleme hätten, wenn sie selbst das Spiel machen müssen, so war davon an diesem Abend nichts zu sehen. Vieles ging über die quirligen Marcel Heller und Toni Sailer, Union fand Offensiv so gut wie nicht statt. Ronny König war in der Sturmspitze sehr bemüht und bildete stets das erste Glied der Darmstädter Pressing-Maschine, lief unermüdlich die Keeper Amsif/Haas an und setzte in der Schlussphase einen Kopfball an die Latte. Das Tor hätte ihm jeder gegönnt, aber statt ihm trafen andere an diesem Abend.

An dieser Stelle komme ich auf meine Überschrift zurück – Eine Abwehr aus Granit, so wie einst Real Madrid! Diese Überschrift hat natürlich einen Bezug zu diesem Text aber in gewisser Weise auch zur Realität, zum Status Quo in diesen (fußballerisch) herrlichen Tagen im Frühjahr 2015. Was unsere Abwehr rund um unseren Kapitän und Ex-Maskenmann Aytac Sulu Woche für Woche abliefert ist einfach sensationell! Als Abstiegskandidat Nummer eins in die Saison gestartet, von vielen belächelt, ja fast bemitleidet, stellen die 98er nach dem 25. Spieltag die stärkste Defensive mit nur siebzehn (!) Gegentoren. Christian Mathenia blieb in dreizehn Partien ohne Gegentreffer, profitiert enorm von der Stabilität seiner Vorderleute. Und wenn die Stürmer grade nicht treffen, erledigen die Kollegen aus dem Defensivverbund die Arbeit halt gleich mit. Das 1:0 besorgte Rechtsverteidiger Leon Balogun per Kopf, den fälligen Elfmeter nach der Notbremse von Amsif an Toni Sailer verwandelte Innenverteidiger Romain Brégerie mit Hilfe des Innenpfostens zum 2:0 Halbzeitstand. Nach dem 3:0 durch Milan Ivana, das der emsige Toni Sailer durch ein gewonnenes Kopfballduell gegen den fast 20 cm größeren Trimmel vorbereitete, war es mit Aytac Sulu wiederum ein Innenverteidiger, der mit seinem Doppelpack das Ergebnis in die Höhe schraubte und schließlich den Endstand herstellte. Es waren die Treffer neun bis zwölf, die auf das Konto unserer Viererkette gingen – einsame Ligaspitze! Die „positiv Geisteskranken“, wie sie sich selbst umschreiben werfen sich eben hinten wie vorne in jeden Ball.

Der Rest war Ekstase und Partylaune, die La Ola schwappte durchs weite Rund, immer nur unterbrochen durch den Berliner Anhang, der seine Mannschaft trotz des Schwachen Spiels bis in die Schlussphase lautstark unterstützte. In absoluter Hochstimmung und mit strahlenden Gesichtern zogen die Lilienfans aus dem Stadion in die Darmstädter Nacht um diesen Triumph gebührend zu feiern. Für Dirk Schuster wird es nicht einfach sein die Euphorie rund ums „Bölle“ in Grenzen zu halten. Das kleine gallische Dorf hat so eben mal wieder ein Ausrufezeichen gesetzt und wird noch so manches römisches Heerlager aufmischen. Der Fußballgott allein weiß, wo das endet…

Fabian Ortkamp

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