Spielbericht SV Darmstadt 1898 – DSC Arminia Bielefeld

0

Nach der Pause wahres Gesicht gezeigt 

Nach dem verlorenen Bochum-Heimspiel, bei dem in der 2. Spielhälfte einige Prozentpunkte zur Maximalleistung fehlten, wollten die Lilien eigentlich Wiedergutmachung betreiben, doch davon war in Halbzeit 1 leider wenig zu sehen. Und so geriet man in der 30. Minute nach einer Ecke in Rückstand, den Kevin Großkreutz zwar sofort ausgleichen konnte, doch Bielefelds Urgestein Fabian Klos markierte in seinem 100. Spiel für die Arminia wiederum nur 5 Minuten später per Kopf das 1:2.

Klos kratzt mit nunmehr 36 Toren für Bielefeld übrigens an der Bestmarke eines gewissen Bruno Labbadia, der 39 Tore für den DSC erzielt hat.

Mit diesem Rückstand ging es dann leider auch in die Pause.

Jetzt war eigentlich Zeit, Kontakt mit einem Bekannten aufzunehmen, der sich Karten für den Arminia-Block beschafft hatte. Warum, weshalb und wie er das machte, wollte ich gar nicht so genau wissen, aber ein Stimmungsbild von der „anderen Seite“ hatte mich im Vorfeld schon interessiert. Es ging jedoch keine Nachricht ein und nach diesem Pausenergebnis verzichtete ich auf Nachfragen.

Nach der Pause zeigte unsere Mannschaft dann zum Glück ein anderes, sprich ihr wahres Gesicht – jetzt wurden die Zweikämpfe auch noch gesucht, wenn schon abgepfiffen war…

Und so gelang den Lilien durch Immanuel Höhns ersten Treffer für Darmstadt der Ausgleich. Kevin Großkreutz Schlenzer in der 64. Minute nach schöner Körpertäuschung bedeutete dann die Führung, die Artur Sobiech mit seinem 1. Ligatreffer für die 98er dann sogar auf 4:2 in der 84. Minute ausbaute.

Das erinnerte natürlich an das 2:4 im Relegationsrückspiel. Für die Arminafans, die das evtl. vergessen oder verdrängt haben sollten, hatte der A-Block eine kleine musikalische Gedächtnisstütze parat:

XXX Arminia, XXX Arminia,

wisst Ihr noch, wisst Ihr noch?

Könnt ihr euch erinnern, könnt ihr euch erinnern?

4 zu 2, 4 zu 2!“

Zur Melodie von „Bruder Jakob/Frère Jacques“ (Kraftausdrücke wurden ersetzt – mit „Hey Arminia, Hey Arminia…“ hätte das Lied zwar auch ohne Schmähungen funktioniert, aber es wurde ja nicht von der Maikäfer-Gruppe des Waldkindergartens vorgetragen, sondern eben vom A-Block).

Schließlich kam es dann aber zu einem anderen Endergebnis, da Bielefeld quasi mit dem Schlusspfiff das 4:3 erzielte. Ein denkwürdiges Spiel war es somit auch diesmal, doch unter anderen Vorzeichen. Am 19.05.2014 war der 3.-Ligist aus Darmstadt gegen die Arminia der Außenseiter, drei Jahre später begegneten sich beide Mannschaften in der 2. Liga auf Augenhöhe.

Wenn man sich also diese drei Jahre in der Gesamtbetrachtung ansieht, hat Darmstadt auch nach dem diesjährigen Bundesligaabstieg dazugewonnen.

Denn wer hätte es sich damals vorstellen können, dass ein Kevin Großkreutz im blau-weißen (!) Lilien-Trikot vor der Süd-Tribüne (!) sein Tor feiert und sich hinterher bei allen in Darmstadt bedankt und offensichtlich glücklich ist, hier zu spielen.

Oder das Hamit Altintop, der schon bei Schalke, Bayern München, Real Madrid und Galatasaray Istanbul spielte, am Böllenfalltor anheuert und nach dem Abstieg sogar seinen Vertrag verlängert hat und kein Aufschrei durch die Presse á la „DARMSTADT – WARUM TUT ALTINTOP SICH DAS AN?“ ging, sondern dies zur Kenntnis genommen und vielmehr über die Gründe für seinen Verbleib geschrieben wurde, wie z.B. die Darmstädter Werte und familiären Eigenschaften.

Oder dass Aytac Sulu dem Böllenfalltor treu geblieben ist, obwohl sein Marktwert von 375.000,- € auf aktuell 1.500.000,- € gestiegen ist.

Es gibt also viele Gründe, in Darmstadt dankbar und zufrieden zu sein, wobei es natürlich immer weitergeht und man sich im Fußball nie auf dem Erreichten ausruhen darf. Und so heißt es am Mittwoch in Heidenheim für die Lilien wieder in den „Kampfmodus“ zu schalten – am besten in beiden Halbzeiten!

Ach ja, nach dem 4:2 habe ich dann doch noch ein Stimmungsbild aus dem Arminia-Block per WhatsApp-Nachricht erhalten:

Anschließend wollte ich noch wissen, wie denn die Darmstädter Fans im Gästeblock wahrgenommen wurden:

So was hört man doch gerne!

Autor: Stephan Kohle

Zur Galerie: Zooom Box