Es war ein Fest am Bölle

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Ein Abstieg ist kein Weltuntergang, haben sie gesagt. Aber dass es eine solche Feier wird, das kann nur Darmstadt…

Schon auf dem Weg ins Stadion schallten Fangesänge in einer Lautstärke aus dem Biergarten der Grohe-Brauerei, wie ich es außerhalb des Stadions selten gehört habe. Die Stimmung in der Stadt war einfach gut und meine Laune stieg mit jedem Meter, den wir näher an das Bölle kamen.

Nach dem üblichen Los-Kauf, dem Besuch am Lilienkurier-Stand und der Versorgung mit Äppler nahmen wir also unsere Plätze auf der Gegengerade ein. Bei der Verabschiedung diverser Spieler, deren Leihen beendet oder Verträge ausgelaufen sind, stachen besonders zwei wichtige Personen heraus: Benni Gorka und Dodo „DSE“ Stroh-Engel. Beide bleiben Helden, die maßgeblich am Durchmarsch in die Bundesliga beteiligt waren. Beide werden in Zukunft irgendwie fehlen, auch wenn sie zuletzt kaum zum Einsatz kamen.

Kurz vor Spielbeginn wurde die Gegengerade symbolisch „überdacht“. Es war unglaublich, wie viele Fans dem Aufruf gefolgt waren und Regenschirme dabei hatten. Zu diesem aktuell medienwirksamsten Thema in Bezug auf das Stadion eine klare Aussage: Wir Fans brauchen keine Überdachung. Wir stehen gerne bei Wind und Wetter am Bölle („wer laut schreit, dem wird schon warm!“). Aber wir brauchen einen Masterplan und eine langfristige Perspektive – da ist das Dach ja nur ein Teilaspekt. Und das Wetter meinte es gut mit uns, denn nicht wenige gingen mit einem unerwarteten Sonnenbrand nach Hause. Nach dieser Schirm-Aktion und der mega-guten Choreo der aktiven Fanszene hatte ich ja schon ein wenig feuchte Augen.

Das Spiel selbst war dann eigentlich wie immer. Unsere Lilien hatten Chancen, aber zum Tor reichte es nicht. Nach den Toren der Herthaner in der 14. und der 28. Minute lagen wir früh zurück und die Niederlage konnte schließlich nicht mehr verhindert werden.
Doch irgendwie freuten sich dann nach dem Spiel einfach alle: Die Hertha-Fans, weil ihr Team auswärts gepunktet hatte, was zuletzt nicht so dessen Stärke war, und so auch Kurs auf Europa nahm, und wir Lilienfans feierten einfach den Abstieg – zwar mit einer Prise Wehmut, aber doch erhobenen Hauptes.

Autorin: Jana Otto

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