Entschuldigung, wie hat denn eigentlich…?

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Ja, ihr habt absolut Recht – wenn in einigen Stunden bereits das nächste Spiel des geliebten Vereins mit der Lilie auf der Brust in der Liga ansteht und somit das letzte bereits eine Woche her ist, könnte man durchaus meinen, der Autor habe den Spielstand vergessen. Ebenso könnte man in dieser Saison, wo die Idee vom Shirt, auf dem vorne eine Sprechblase mit einer Lilie darin und auf dem Rücken den Worten „Fraach nidd!!!“ aufkam, ja auch durchaus von einem Verdrängungsprozess ausgehen… Beides ist zwar eine Form der möglichen Wahrheit, doch in dieser an jener vorbei!

Nein, wie der aufmerksame Leser ja inzwischen weiß, verbindet mich zu den Rothosen aus dem Hamburger Stadtteil Bahrenfeld im Vergleich zu vielen aus unserer Fanszene, denen sie eher wumms bis völlig egal sind, so eine Art Hassliebe. Aus einer Zeit, in der ich regelmäßig nach Hamburg zu St. Pauli fuhr und in der die Rothosen bereits mehr in der Erinnerung und den daraus geborenen Ansprüchen lebten, resultiert dann auch die oben gestellte und auch heute noch existierende Frage.

Tja und da wären wir dann beim letzten Samstag, wo mich der bereits aus dem Vorbericht bekannte gemeine Wecker mit unerbärmlicher Zielstrebigkeit um vier des Nachts aus dem Schlaf riss. Nach nur wenigen Stunden und mitten in der Phase, wo der Traum am schönsten und das kuschelige Bett am wärmsten war. Wo ich nach einigen in der Dose verstauten geschmierten Broten und anderen Vorbereitungen irgendwann frisch geduscht und geschniegelt im Auto saß und Klausi einlud – nicht ohne von ihm wieder einmal die an Hase und Igel erinnernde Nachricht zu erhalten. Junge, über diesen Unterton in deinen Nachrichten müssen wir irgendwann noch mal reden!
6 Uhr Abfahrt mit dem Bus, kurz nach zwei in Hamburg und meine gute Kinderstube verbietet mir, jetzt mehrere Seiten lang in nicht allzu freundlichem Ton über Busfahrer und deren Allüren und Verhalten gegenüber den Menschen, die sie befördern, zu schreiben. Wenn ich allerdings als Chef des Unternehmens selber fahre, dann sollte ich eine gewisse Ahnung auf der einen, aber auch ein Zeitmanagement auf der anderen Seite haben, welches einem Beruf im Dienstleistungssektor angepasst ist. Wenn ich dann noch Choleriker bin, zwischendurch – während Fahrer Nummer zwei am Steurer sitzt – aufstehe und Kunden anschreie, dann habe ich ganz klar den Beruf verfehlt!

Irgendwann gegen zwei – oder war es kurz danach? , waren wir dann in Hamburg. Aber eben nicht im wirklich schönen Teil, St. Pauli, Hafen, Große Freiheit, am Elbstrand, an den Kanälen bei einem der zahlreichen Bootsverleihe um gleich zu rudern – nein, die Polizei-Eskorte brachte unseren Bus ins triste und graue Stellingen. In eine Straße mit ein paar Bäumen und fünf Minuten Fußweg zur „Arena der tausend Namen“. Großes Hallo mit Hamburger Freunden, Karten übergeben, reingehen, weitere Hallos, Block vorbereiten.

Los gings, den Lilien merkte man an, dass sie einen der letzten drei Satzbälle zum möglichen Auswärtssieg in dieser Saison ebenso nutzen wollten wie die Möglichkeit, zum ersten Mal in dieser Saison in zwei aufeinander folgenden Spielen zu punkten. Da war Motivation drin, man spürt aber auch, dass seit der Winterpause nach und nach und immer mehr eine Handschrift, ein Teamgeist und eine Entwicklung zu sehen sind. Es wird wieder füreinander gelaufen, es ist wieder ein Auge für den Mitspieler da. Tja und es kam der Punkt, an dem wir nach Toren vom Capitano und Felix 2:0 führten! Auswärts!!! Beim wieder einmal am Rande des Abgrunds taumelnden Dino, dessen einziger Erfolg in den letzten Jahren darin bestand, am Slapstick einer Papierkugel zu scheitern oder Rekord-Relegations-Sieger zu werden und dessen Fans immer noch von einem Besuch auf dem Rathausmarkt träumen, während… Ach lassen wir das, wer war nochmal Uwe?

Worin die Hermanns und Uwes in diesem weiten Rund jedoch groß sind, ist Arroganz und Überheblichkeit, gepaart mit einer großen Prise Realitätsverlust. So war es dann also nicht verwunderlich, dass nach dem lilientypischen Zittern zum Schluss und dem kurzzeitigen „Aufbau des Gegners durch Eigentor in der Nachspielzeit“ am Ende Gesänge wie „2. Liga, Darmstadt ist dabei“ ebenso gerne in der uns anhängenden Ironie von den Heinern übernommen wurden wie die Erklärung „Wir steigen ab und nehm‘ euch mit“. Wer weiß, vielleicht gibt’s ja nächstes Jahr zwei Berichte über Fahrten nach Hamburg…

Als Auswärtssieger nach knapp 20 Stunden für 90 Minuten Fußball nachts um zwei in Darmstadt anzukommen, hat auf jeden Fall etwas.

Autor: Wuschel

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